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Die Allergie gegen Naturlatex
Quick(ie)-Tipp:
Gehören Sie zu den Menschen, die "für alle Fälle" immer ein Kondom dabei haben (z.B. ein sogenanntes Intimacy Pack)? Stecken Sie sicherheitshalber noch ein latexfreies dazu (z.B. ein preiswertes Pasante Unique im Scheckkartenformat)! Es sind mehr Menschen allergisch auf Latex, als man gemeinhin annimmt...
Diagnose

Nicht jede vermutete "Latexallergie" ist eine Allergie auf Naturlatex. Oft reagiert der Körper auch nur auf andere (Produktions-)Zusatzstoffe, z.B.:
Als nicht allergieauslösend gilt Polysopren, das bis zu 96% in Naturlatex enthalten ist.

Zurück zu den Kondomen: Wer eine Naturlatexallergie vermutet, sollte daher nach dem Ausschlussverfahren verschiedene Kondome testen.
  1. Eine Reaktion auf Nonoxynol-9 oder Benzocain ist wahrscheinlich recht schnell feststellbar, da die Beschwerden bei Sorten ohne diese Stoffe nicht auftreten. Bei anderen Inhaltsstoffen ist es schwierig, da die Zusammensetzung sehr komplex und oft nicht detailliert aufgelistet ist.
  2. Wer eine Reaktion auf Gleitgel vermutet, könnte z.B. trockene Kondome (z.B. Fromms Classic, Gaysafe oder Kontakt Silky Dry) verwenden.
  3. Eine Allergie auf den Vulkanisationsbeschleuniger (1,3-Diphenylguanidin) kann mit 1,3-Diphenylguanidin-freien Kondomen (z.B. RFSU profil) ausgeschlossen werden. Die Herstellung beansprucht bei diesen Kondomen mehr Zeit, daher sind sie im Vergleich zu anderen, "normalen", Kondomen etwas teurer.
  4. Eine leichte Kontaktallergie auf Latex kann mit speziellen hypoallergenen Kondomen (z.B. Manix Crystal und andere) ausgeschlossen werden. Diese sind preisgünstiger als die latexfreien Sorten und angenehmer im Tragekomfort. Bei diesem Material wurden die allergieauslösenden Proteine zu einem großen Teil entfernt.
  5. Bei einer "ausgewachsenen" Latexallergie, also einem hohen Sensibilisierungsgrad, können nur noch komplett latexfreie Kondome (z.B. die bekannten Durex Avanti Ultima oder auch Protex Original) verwendet werden. Diese bestehen aus Kunsttoffen.

Wer ganz sicher gehen möchte, kann von seinem Arzt bzw Allergologen einen Allergietest durchführen lassen - am besten natürlich bei einem Arzt, der mit dem Krankheitsbild vertraut ist. Es gibt dafür verschiedene Möglichkeiten.
  • Hauttest (z.B. Prick-Test)
  • Bluttest (spezifische immunologische Antikörpersuche, z.B. mittels RAST)
  • Provokationstest

Symptome

Die Symptome einer Naturlatexallergie sind wie bei jeder Allergie individuell sehr verschieden. Mit zunehmender Sensibilisierung treten meist heftigere Symptome auf. Die Allergie kann sich schleichend entwickeln und wird z.T. erst bemerkt, wenn die Symptome stärker werden. Bei starker Sensibilisierung treten heftigste Symptome schon bei bloßem Hautkontakt auf! Wie schnell dieser Punkt erreicht wird, ist individuell verschieden.

Die Bandbreite an Symptomen äußert sich häufig in dieser Reihenfolge (mit abnehmender Häufigkeit):
  • Juckreiz, Rötung, Quaddelbildung an unmittelbaren Kontaktstellen
  • Nesselsucht (Urticaria)
  • Mitreaktion der Schleimhäute (Konjunktivitis, Pharyngitis, Rachenentzündung, allergischer Fließschnupfen)
  • allergischer Durchfall
  • Entzündung der Kehlkopfschleimhäute (Laryngitis), Stimmbandödem, allergisches Asthma
  • Herzrhythmusstörungen
  • starke Müdigkeit, ausgeprägte körperliche Schwäche
  • Anaphylaxie (allergischer Schock)
Achtung! Auch ausgeprägte Schleimhautschwellungen im hinteren Rachenbereich und in den Bronchien können lebensbedrohlich werden!

Behandlung

Behandelt werden kann die Naturlatexallergie am besten durch Vermeidung von Exposition. Diese kann auf verschiedene Arten erfolgen:
  • durch Hautkontakt
  • durch Schleimhautkontakt, z.B. im Genitalbereich oder im Darm
  • inhalativ
Da Latex Bestandteil von ca. 40000 Gebrauchsgegenständen ist, ist dies selbstverständlich nicht uneingeschränkt möglich bzw. bedeutet einen großen Verlust an Lebensqualität. Wer keine starke Allergie hat, kann den Kontakt durch Senkung des Proteingehalts verringern. Latexhaltige Wäsche sollte vor dem ersten Tragen gewaschen und gebügelt werden; Gegenstände sollten lange in Spülmittellösung eingeweicht werden. Es reicht nicht aus, die Gegenstände einfach mit Spülmittel abzuwaschen!

Da durch den Kontakt eine Sensibilisierung erfolgt, sollte die Vermeidung von Exposition trotzdem so konsequent wie möglich erfolgen. Besondere Schwierigkeiten treten in diesem Zusammenhang im beruflichen Bereich auf; z.T. kann der bisherige Beruf nicht mehr oder nur stark eingeschränkt ausgeübt werden. Eine Anerkennung einer Berufskrankheit/Berufsunfähigkeit durch die Berufsgenossenschaften ist aber sehr schwierig.

Eine Hoffnung wäre in diesem Fall eine Immuntherapie. Diese befindet sich bereits in der Entwicklung und wird klinisch erprobt. Sie befindet sich aber noch nicht auf dem Markt.

Für akute Fälle gibt es Medikamente. Auch hier ist die Bandbreite groß. Angefangen von freiverkäuflichen Tabletten, Nasensprays und Augentropfen bis hin zum kompletten Notfallset. Ein solches Notfallset sollte jeder hochgradig sensibilisierte Allergiker immer bei sich haben! Es kann einem anaphylaktischen Schock vorbeugen. Der Arzt sollte in diesem Fall trotzdem aufgesucht werden. Die Anwendung der Medikamente sollte unbedingt bekannt sein, und es sollte möglichst auch anderen Personen von der Allergie und dem Aufbewahrungsort des Sets erzählt werden. Das gilt insbesondere für Kinder! Das Set wird vom Hausarzt oder Allergologen verschrieben und besteht aus:
  • Adrenalin als Dosieraerosol
  • Antihistaminika als Tropfen
  • Kortison als Tropfen
Außerdem wird empfohlen, ein Notfallarmband, einen Notfallpass oder eine SOS-Kapsel mitzuführen, sowie latexfreie Handschuhe im Autoverbandskasten zu haben.

Die größte Gefahr für einen Naturlatexallergiker stellen medizinische Eingriffe, besonders im Notfall, dar. Es kann - je nach Schweregrad der Allergie - zu Entzündungen, Heilungsverzögerungen, und sogar zum Tod kommen. Aus diesem Grund sollte bei geplanten Eingriffen oder Untersuchungen immer auf die Allergie hingewiesen werden und eventuell Alternativen durchgesprochen werden. Bei Operationen muss Sorge getragen werden, dass sämtliche medizinischen Geräte kein Latex enthalten, insbesondere Beatmungsmasken, Katheter und Infusionsbestecke. Bei Untersuchungen, z.B. beim Gynäkologen oder Zahnarzt, sollte jedes Mal ein Hinweis auf die Allergie erfolgen, da auch Ärzte nur Menschen sind und oft der erste Griff automatisch zu den Latexhandschuhen geht...

Auslöser

Erste Fälle von Naturlatexallergie wurden 1929 beschrieben. Seitdem sind die Zahlen der Allergiker deutlich gestiegen, insbesondere in den letzten 10-15 Jahren. Schon in den frühen Achtzigern ist eine Zunahme der Fälle zu beobachten gewesen. Dies ist auf den verstärkten Gebrauch von (gepuderten) Handschuhen zum Schutz vor AIDS zurückzuführen. Allerdings werden nur schätzungsweise 1% aller schwerwiegenden Fälle im Zusammenhang mit der Naturlatexallergie als solche erkannt, sondern z.B. als "unerklärlicher Narkosezwischenfall" gedeutet.

Der Auslöser für eine Naturlatexallergie sind bestimmte Eiweißbestandteile im Latex. Besonders gefährlich sind gepuderte Latexhandschuhe, da durch das Puder allergene Proteine in der Luft verteilt werden. Hochgradig sensibilisierte Allergiker zeigen schon Symptome, wenn sie sich in einem Raum aufhalten, in dem solche Handschuhe verwendet wurden! Mittlerweile dürfen gepuderte Handschuhe deswegen nicht mehr beruflich verwendet werden. Außerdem wird Latex in den TRGS (Technische Regeln für Gefahrstoffe) 540 und 907 als atemwegs- und hautsensibilisierend aufgeführt.

    Ein besonders großes Risiko einer Naturlatexallergie haben folgende Personengruppen:
  • medizinisches Personal (5 - 17% je nach Branche)
  • Patienten mit Spina Bifida (offener Rücken) (40 - 60%)
  • Patienten mit urogenitalen Anomalien
  • Patienten mit häufigen Operationen
  • Patienten mit Handekzemen
  • Arbeiter in der gummiverarbeitenden Industrie
  • Arbeiter in der Reinigungsbranche
  • Friseure
  • Atopiker (Menschen mit Allergieneigung) (1%, deutlich über Durchschnitt im Vergleich zu anderen Allergien)
Frauen sind häufiger von Latexallergie betroffen als Männer. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass in den gefährdeten Berufen mehr Frauen tätig sind.

Dienstag, 07. Februar 2012 |  37,503,353 Zugriffe seit Montag, 08. August 2005
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